In den letzten Tagen haben wir die High Society der Neuroimmunologie in Rio genossen. Waehrend Timo sich ausruht, werde ich euch von unserem Alltag als Wissenschaftler (und Begl.) erzaehlen.
Erstmal, wir sind einem wirklich schoenen (dafuer aber auch schweineteuren - aber Petra, hat uns liebenswerterweise bei der Bezahlung der Unterkunft geholfen) Guest House untergekommen. Es ist hell, das Fruehstueck ist wirklich lecker und es gibt einen Pool und umsonst Internet. Aber das Tollste ist, dass es nur ein Katzensprung von hier bis zur Konferenz ist (max. 10 Min). Von unserem Fenster sieht man das Fenster von Adriana und Hugo im Hotel Gloria(Timos Professoren von Marburg und letzterer der Praesident der International Society of Neuroimmunomodulation und der Vater der Forschung des Zusammenspiels von Immun- und Nervensystem) .

Vor der Konferenz haben wir Timo 2 Hemden gekauft - ich habe von einer netten Zimmernachbarin ein Kleid geschenkt bekommen - und Timo war sogar beim Friseur. Wir waren also top vorbereitet. Die Konferenz selber war wirklich toll und wir sind froh, dass wir trotz Widrigkeiten noch hierher gekommen sind.

Unser Tagesablauf war folgendermassen: Um 8 sind wir aufgestanden und Timo ist dann nach dem Fruehstueck um 8:45 zur Konferenz gegangen. Ich hab mich dann ins Internet oder an den Pool gehaengt oder bin nochmal ins Bett gegangen - deshalb bin ich jetzt total entspannt und Timo muss sich ausruhen.
Nachmittags habe ich dann (bewaffnet mit Mittagessen vom Pizzastand) im gelben Salon auf Timo gewartet, der entweder gerade Vortraege angehoert hat oder seinen eigenen Vortrag auf Hugos Rechner vorbereitet hat.

Zwischen den Vortraegen sassen wir mit Adriana, Hugo und anderen Wissenschaftlern auf dem Balkon und haben geraucht und gequatscht oder servierte Haeppchen gegessen. Viele der Vortraege waren glaub ich fuer Timo sehr interessant. Aber davon kann ich wenig schreiben, denn ich habe kein Wort verstanden (aber die Folien hatten huebsche bunte Bildchen…).

Nach den Vortraegen sassen wir meist noch lange - meistens bis 12 Uhr nachts mit Adriana, Hugo und anderen auf der Terasse und haben lustige Anekdoten von anderen Kongressen und verschiedenen Nobelpreistraegern gehoert. Besonders mochte ich die, in der Adriana von einem Japaner erzaehlte, der obwohl er die ganze Zeit seinen Vortrag ablas und seine Haende nicht bewegt hat, gleichzeitig perfekt die Linien auf den Dias mit dem Laserpointer nachzeichnen konnte. Spaeter stellte sich heraus, dass ein kleiner Student unter dem Pult hockte und den Laserpointer fuer seinen Professor bediente.
Ich als WI-ler muss sagen, dass ich noch nie eine so entspannte und lustige Atmosphaere unter Professoren, Studenten und anderen Leuten gesehen habe, in der so herzlich miteinander gelacht wurde. Es war wirklich toll.
Am Freitag hat Timo ein Poster mit seinen Diplomarbeitsergebnissen vorgestellt. Sein Thema ist wohl sehr neu und jungfraeulich und es hat mehrere Leute sehr interessiert.

Am Samstag war dann Timos Vortrag. Endlich war auch er ein wenig aufgeregt. Aber er hat eine wirklich gute Figur da vorne am Rednerpult gemacht und selbst, als die wichtigste Folie ploetzlich verschwunden war (fehlerhafte Konvertierung vom Apple zum Rechner des Kogresses) hat er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Fotografin war ganz begeistert von ihm (sie hat 1000 Fotos mit Blitz von ihm gemacht, was ich mich erst spaeter traute) und war fest davon ueberzeugt, dass sie vor einem zukuenftigen Nobelpreistraeger steht. Ausserdem hat er fuer den Vortrag eine einjaehrige Mitgliedschaft in der ISNIM bekommen und gleich abgestimmt, dass der naechste Kongress 2011 in Dresden stattfinden wird.

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Gefeiert haben wir dann anschliessend bei einem pompoesen Galadinner in der besten Churrascaria (traditionelles Barbecue Restaurante) Rios. Das Buffet war wirklich beeindruckend und um die Tische liefen Maenner mit Fleischspiessen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele verschiedene Fleischsorten probiert. Es wurden natuerlich Caipirinhas serviert - schliesslich sind wir in Brasilien. Timo und ich konnten uns heute morgen nicht mehr an die Anzahl Caipis erinnern, ich weiss nur, dass sie wirklich lecker waren und der Wein auch sehr vorzueglich.
Der Schokobombennachtisch hat mir dann den Rest gegeben (au man, Schokososse mit Eis, Sahne, Keksen, Krokant…), sodass wir um halb 12 nach hause gerollt sind.


Ich wusste allerdings nicht, dass die Leute vom Kongress (Timo wuerde sagen:) abgehen wie Schnitzel. Die anderen sind wirklich von 1 bis 3 noch tanzen gegangen. Da haben wir dann aber schon geschlafen. Heute morgen haben wir wirklich lustige Fotos von allen - vor allem von Hugo tanzend - gesehen. Ich muss sagen, Timo und ich muessen unbedingt wieder in Deutschland an unserer Kondition arbeiten. Hier auf Weltreise haben wir ja so gut wie nie Alkohol getrunken, haben uns immer ein Essen geteilt und sind meistens um 21:00 Uhr (aber allerspaetestens!) ins Bett gegangen. Aber ich bin mir sicher, dass wir das mit eurer Hilfe wieder hinbekommen!
Nun ist der Kongress leider schon zu Ende. Heute abend treffen wir uns hoffentlich nochmal mit Adriana und Hugo und schauen uns morgen endlich die Sehenswuerdigkeiten von Rio an. Danach sind wir bestimmt Strand-reif.
Ihr seht, uns geht es sehr gut. Trotzdem freuen wir uns, euch bald wieder in unsere Arme schliessen zu koennen.
Alles Liebe, Steffi und Gruesse von Taimie